Gut Lipce – Stammsitz der Ferbers
Das Gut Lipce, heute ein Stadtteil von Danzig, ist ein einzigartiges historisches Denkmal mit einer reichen Geschichte, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückreicht. 1550 erwarb der Danziger Bürgermeister Konstanty Ferber das Gut und damit das Amt des Dorfschultheißen samt zugehörigem Gutshof und Ländereien. Von diesem Moment an wurde das Gut zum Stammsitz der einflussreichen Familie Ferber, deren Mitglieder über Jahrhunderte die Geschichte Danzigs prägten.
Das Gut wurde auf einem rechteckigen Grundriss an einem Ufer der Radunia errichtet und von einem Park und Garten umgeben, während auf der anderen Seite eine Gaststätte, eine Brauerei und Fischteiche entstanden. Im 17. Jahrhundert war das Gebäude so prächtig, dass 1677 König Jan III. Sobieski und Königin Marysieńka während ihrer Reise nach Danzig dort weilten.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gut mehrfach umgebaut. Anfang des 18. Jahrhunderts verlieh Nathanael Gottfried Ferber ihm ein neues Aussehen und stellte seine Pracht nach den Zerstörungen durch den Kosakenüberfall von 1734 wieder her. Weitere Modernisierungen erfolgten nach den napoleonischen Kriegen (1807-1813), als Lipce wiederholt geplündert wurde und eine Überschwemmung durch den Bruch des Radunia-Damms einen Teil der Gutshofanlage zerstörte.
1813, nach dem Tod des letzten Ferbers, ging das Gut an die Erben über und wurde im klassizistischen Stil umgebaut. Das Gut gehörte nacheinander den Familien von Wagenfeld und Misch und war von 1822 bis 1892 im Besitz der Danziger Diakonissen, die dort ein Krankenhaus betrieben.
In der Zwischenkriegszeit gab es hier eine Gartenbauschule für Mädchen (1918-1933) und ein Sanatorium (1933-1945). Damals wurden eine Veranda, ein Speisesaal und moderne Anlagen angebaut.
Bis heute sind Elemente erhalten, die von der reichen Geschichte des Gebäudes zeugen, darunter Stuckarbeiten aus dem 19. Jahrhundert und eine historische Halle. Der den Gutshof umgebende Park, heute als Ferber-Park bekannt, erinnert an den früheren Glanz dieses Ortes, der über Jahrhunderte hinweg Zeuge der stürmischen Geschichte der Region war.
